Vorösterliche Projekttage zum Gedenken an den Namensgeber

Projekte, Bildungsangebot, Alex-Deutsch-Projekttage, Aktivitäten

Die Stimme von Alex Deutsch hallt nach!

An unserer Schule ist es zu einem guten Brauch geworden, mindestens einmal im Jahr mit thematisch passenden Projekten das Andenken an den 2011 verstorbenen Namensgeber Alex Deutsch wachzuhalten und gleichzeitig einen Beitrag zu einem gewaltfreien und harmonischen Umgang miteinander zu leisten. Die diesjährigen Projekttage vor den Osterferien verliefen sehr erfolgreich. 

Auch 15 Jahre nach seinem Tod hat die Persönlichkeit des Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch nicht an Bedeutung und Strahlkraft verloren. Gerade jetzt, in Zeiten eines zunehmenden Antisemitismus, vieler unseligen Kriege und Krisen, politischer Bedrohungen von links und rechts, einer entmenschlichten Rethorik und aggressivem Kriegsgetöse auf höchsten politischen Ebenen, erinnert man sich an sein berühmtes Leitmotiv, das er zu Lebzeiten sehr langsam, aber mit fester und getragener Stimme im Verlauf von mehr als 500 Besuchen in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen verkündete: „Lasst euch nicht hineintreiben in Hass und Gewalt gegen andere Menschen. Lernt miteinander zu leben, nicht gegeneinander!“ „Wenn Alex Deutsch den Raum betrat und zu seinen bewegenden Vorträgen ansetzte, wurde es mucksmäuschenstill im Saal und selbst die sonst besonders lebhaften Schüler verfielen in andächtiges Schweigen“, erinnern sich die wenigen, die ihn noch persönlich erlebten. Stets erschien Alex Deutsch in Begleitung seiner ebenfalls sehr engagierten Ehefrau Doris, die nach dem Tod des Gatten noch über ein gutes Jahrzehnt hinweg die Aufklärungsarbeit in Schulen und anderen Einrichtungen fortsetzte. Apropos Alex Deutsch und die Namensgebung für die Schule. Neben dem 15. Todestag steht auch diesbezüglich ein markantes Datum an. Am 7. September 2001, also vor fast genau 25 Jahren, wurde in einem Festakt unter dem damaligen Rektor Max Rosar die damalige Erweiterte Realschule Wellesweiler nach Alex Deutsch benannt. Das anstehende Jubiläum lieferte letztlich auch einen wichtigen Grund dafür, dass sich jetzt, anlässlich der vorösterlichen Projekttage, viele Schülergruppen besonders eingehend mit der Persönlichkeit, dem Schicksal und den langjährigen Friedensbemühungen von Alex Deutsch befassten. Dafür bot sich neben dem bestens ausgestatteten Alex-Deutsch-Raum auch der Musiksaal als Dreh- und Angelpunkt vieler Veranstaltungen und Feierlichkeiten schlechthin an. Hier sorgte die neu aufgestellte Schulband gemeinsam mit ihren Betreuern Hans-Jürgen Geiger und Jan Grüntjes dafür, dass die Biografie von Alex Deutsch den jungen Besuchern gleich über mehrere Sinne vermittelt wurde: musikalisch, via Leinwand über Archivfotos und auch durch Vorlesen seines dramatischen Lebenslaufes in kleinen Etappen. 

Einen tollen Kurzfilm zu Alex Deutsch hatte die Klasse 9a in Eigenregie produziert und dabei beachtliche Schauspielerqualitäten offeriert. Bekannte Filmklassiker wie „Das Leben ist schön“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder „Oh wie schön ist Panama“ waren von drei Klassen analysiert und beispielhaft für erschütternde Einzel- und Familienschicksale im Nationalsozialismus aufgearbeitet worden. Studien zur  jüdischen Glaubenslehre hatten die beiden siebten Klassen betrieben. Zur Vorbereitung waren sie eigens zur jüdischen Synagoge nach Saarbrücken gereist. Mit dem Schicksal saarländischer Widerstandskämpfer im dritten Reich befasste sich die Klasse 10. Anschauliche Details zu aktuellen Fluchtgründen, Fluchtwegen und Fluchterfahrungen einiger ausgewählten Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten stellte die Klasse 8a auf Plakaten dar. Den Stolpersteinen in Neunkirchen und seinen zugehörigen Stadtteilen als Mahnmale für deportierte und ermordete Menschen im Nationalsozialismus war die Klasse 6a auf der Spur. Die kulturelle Vielfalt an der ADS nahm die Klasse 6b unter die Lupe und fand unter anderem heraus, dass ihre Mitschüler und Lehrkräfte aus insgesamt 30 unterschiedlichen Ländern stammen. „Komm, sagte die Katze“, nannte sich nach literarischer Vorlage von Mira Lobe ein märchenhaftes Theaterstück der Klasse 5a, worin sich die vorurteilsbehaftete Ausgrenzung und Diskriminierung missliebiger Zeitgenossen an den Pranger gestellt sah. 

Die diesjährige Projektpräsentation erfolgte nach dem Motto „Von Schülern für Schüler gemacht“. In jahrgangsbezogenen Kleingruppen besuchten die Schüler die insgesamt 12 Stationen, nahmen die attraktiven Angebote vor Ort wahr, stellten Fragen, studierten Plakate und Schautafeln, beantworteten Fragen auf den mitgeführten Laufzetteln. „Auf diese Weise konnten die Teilnehmer tief in die jeweilige Thematik eindringen und, soweit es Alex Deutsch betrifft, am Ende einen repräsentativen Querschnitt über sein nachhaltiges Wirken in Schule und Öffentlichkeit erarbeiten und anbieten“, freute sich am Ende Schulleiterin Ulrike Rothermel über den Erfolg der insgesamt drei Projekttage. Einen besonderen Dank richtete Rothermel an ein Team des St. Wendeler Adolf-Bender-Zentrums, das im Vorfeld der Projektpräsentationen den Neunt- und Zehntklässlern bei ihren Recherchen wertvolle Unterstützung zukommen ließ.

In Kürze

Alex Deutsch wuchs als deutscher Jude in Berlin auf. 1943 wurde er mit seiner jungen Familie ins KZ Auschwitz deportiert. Seine erste Frau Thea und der zweijährige Sohn Dennis wurden gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Alex Deutsch überlebte den Holocaust. Seine anfänglichen Rachegedanken wandelte der spätere Wahl-Saarländer in die Lebensaufgabe um, als Zeitzeuge vornehmlich in Schulen aufzutreten und die Jugendlichen durch fesselnde Vorträge zu mehr Mitmenschlichkeit und Toleranz anzuhalten. Im Jahre 2001 wurde die Erweiterte Realschule Wellesweiler nach dem Wiebelskircher Friedensbotschafter und Aufklärer gegen den Nationalsozialismus benannt. Doris Deutsch setzte noch sehr lange das Lebenswerk ihres 2011 verstorbenen Mannes fort.

Bericht und Fotos von Erich Hoffmann