Jun 19 2019

#Undjetzt? – Podiumsdiskussion zur Nachbesprechung der Juniorwahl am IGI


Wie erklären sich die Regierungsparteien SPD und CDU den mangelnden Erfolg gerade bei der jungen Wählerschaft? Wie reagieren Bündnis 90/ Die Grünen auf das erfolgreiche Wahlergebnis? Was wollen sie ändern, um junge Menschen endlich richtig zu erreichen?
All diese Fragen beschäftigten die (noch nicht wahlberechtigten) Schülerinnen und Schüler des Illtal-Gymnasiums nach der Juniorwahl im Mai 2019, bei der sie in einem simulierten Wahlgang ihr eigenes Kreuzchen für die Partei ihrer Wahl setzen durften. Gerade Bündnis 90/ DIE GRÜNEN konnten damals mit 41,0% überzeugen, gefolgt von der SPD mit 17,6%, der CDU mit 10,2% sowie der FDP (8,8%), der PARTEI (7,8%) und einigen Tierschutzparteien.
Um jene Ergebnisse im Nachgang auszuwerten, diskutierten die an der Juniorwahl beteiligten Jugendlichen der Klassen 9, 10 und 11 am vergangenen Montag, dem 17.06.219, mit PolitikerInnen der drei Parteien, die bei der Juniorwahl am IGI am besten abgeschnitten haben. Jeanne Dillschneider (GRÜNE), Christian Petry (SPD), Nadine Schön und Dr. Armin König (beide CDU) stellten sich den Fragen der SchülerInnen in der Illipse.
Im Mittelpunkt stand dabei die Suche nach den Ursachen für die Wahlergebnisse – vor allem in Bezug auf junge Wähler – und mögliche Reaktionen darauf. Die Vertreterin der Grünen, Jeanne Dillschneider, zeigte sich über das Wahlergebnis erfreut und verwies darauf, dass die Grünen gerade Zukunftsthemen besetzt haben, die junge Menschen interessieren. Allerdings ging sie auch darauf ein, dass Entwicklungen wie der Erfolg der Fridays for future – Bewegung oder die Diskussion rund um die Videokritik des Youtubers Rezo an der CDU zum Erfolg beigetragen haben. Die CDU-Abgeordnete Nadine Schön sowie Bürgermeister Dr. Armin König räumten ein, dass die CDU besser und schneller auf junge Menschen reagieren und an ihrer (digitalen) Kommunikation arbeiten müsse. Folglich sei beispielsweise die Reaktion auf das Rezo-Video falsch gewesen. Armin König betonte, dass sich Politik aktuell radikal ändere und man daran arbeiten müsse, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, Videos alleine würden dabei nicht reichen. Auch der SPD-Abgeordnete Christian Petry ging darauf ein, dass die SPD (ebenso wie die CDU) viel in den social media-Wahlkampf investiert habe, aber anscheinend der falsche Ansatz gewählt wurde.
Darüber hinaus interessierten die SchülerInnen das Thema Umweltschutz (vor allem in Bezug auf Plastikmüll) und die Frage, wie man mit dem Zuwachs rechtspopulistischer Parteien umgehen solle. Trotz einiger Unterschiede plädierten alle ParteivertreterInnen für einen stärkeren Fokus auf dem Thema Klimaschutz und führten verschiedene Maßnahmen an, die sie für sinnvoll erachten. Während die CDU-Abgeordnete Schön innovative Ideen von kleinen Unternehmen (social entrepeneurs) fördern möchte, kritisierte Bürgermeister König das aktuelle Recyclingsystem (insbesondere den Gelben Sack). Herr Pertry forderte neben der Bewusstseinsbildung für die Bevölkerung die Zulassung von Stoffen, die Plastik ersetzen könnten, und schlug eine steuerrechtliche Regelung vor. Frau Dillschneider forderte jeden dazu auf, umweltbewusster zu handeln und verwies auf die Einsparung von Mikroplastik in Kosmetik oder auf Pfandsysteme, um z.B. Kaffeebecher to go zu vermeiden.
Resümierend kamen Themen zur Sprache, die gerade die jungen IGI-SchülerInnen interessierten, und die ParteivertreterInnen schafften es, den Jugendlichen das Signal zu geben, dass sie gehört werden. Die Bitte der Grünen-Vertreterin Jeanne Dillschneider, ein gemeinsames Selfie des Saals machen zu können, rundete die Veranstaltung erfolgreich ab und demonstrierte, dass die Parteien versuchen, junge Menschen stärker zu berücksichtigen – damit junge Proteste z.B. gegen Artikel 13 oder gegen Umweltschutz nicht im Sande verlaufen.
Die Podiumsdiskussion im Rahmen der engagierten Stadt macht deutlich, dass Politik und Schule gemeinsam auch politisches Engagement der Jugendlichen stärken können, wenn sich alle respektvoll auf Augenhöhe begegnen.

Isabel Bähr

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